Fashion & storytelling

Collection 2006

Press

Weapon against massproduction #4
Angerissen
Es war einmal ein Kleid, es war Teil einer Kleidfamilie. Sie waren von hochwertigem Material und auf der gleichen Strickmaschine entstanden, eine große, solide alte Maschine. Eine große, solide und alte Familie mit viele Vorfahren uns Aussicht auf viele Nachkommen. Die Familie, wie die Einzelstücke, war streng strukturiert und legte großen Wert auf ein ruhiges Auftreten und darauf, dass man auf sich aufpasste und sich pflegte. –Schließlich waren sie vom exklusivsten Material, bestätigten sie sich gegenseitig. Das Kleid, um das es uns geht, jedoch, hatte nicht ganz ein so ruhiges Auftreten, wie gern gesehen wurde. Es war ziemlich rastlos und hatte mehr Lust auf Spannung als Struktur. Es kritzelte an der Peripherie der Struktur wenn es die Möglichkeit dazu sah und veranstaltete hier und da Spannung um sich herum durch sein bloßes Dasein. Dies zeichnete sich ab. Seine Struktur löste sich langsam auf, die Zeichen seines spannenden Lebens rissen sich durch und man sah ihm das Außenseiter–Dasein schon in jungen Jahren an. Es liebte aber jeden Riss genau so passioniert wie die Erinnerung
an das Ereignisses, das dazu geführt hatte und fand sich bei jedem schöner.


Weapon against massproduction #1
I am what I am, am what I am
Was tut man bloß, wenn die Welt einem zu schnell ist? Wenn sie einem an den Augen vorbeirast, und man sich einfach nicht großartig bewegt? Die Fragen kamen aus einer Ecke der Welt, wo ein junges Kleid auf ihrem zugeteilten Bügel hing und Spiegelbilder der Welt an sich vorbeiflattern sah. „Uh, wie reizend. So ein junges Reh, solch unverbrauchte Seele, welch feste Ideale, solch glatte Haut“ Jubelte eine der älteren Kleider der besseren Gesellschaft. „Lass dich mitreißen, häng nicht so an deinem Herumgehänge fest“ Wie gesagt, so getan. Sie stützte sich kopfüber in ihr Leben, wurde mitgerissen von großen und kleinen Ereignissen der Gesellschaft, gereizt von aufregenden, weisen und abenteuerlichen Kavalieren. Nichts hielte sie mehr fest. Sie flog von einem zum anderen und war frei, frei, frei wie der Vogel.
Bis das Kleid eines Tages aus sich fiel. Das Fliegen wurde ein Fliehen an dem sie fest hing, es hielt sie fest in der ständigen Bewegung. Mit voller Kraft riss sie sich Zusammen, riss sich los und auf. „Wirf nicht weg die alten Kleider, bevor du neue hast vom Schneider“ Riefen die Kleider der besseren Gesellschaft ihr nach. Sie hörte weg, pflegte ihre Wunden und wollte nichts als ihre Ecke der Welt zurückerobern und sich fest hinhängen, wo sie hin gehörte.
Jedoch: Nichts bereut man so schwer als das, was man nicht getan hat.

Weapon against massproduction #3
Das gefährlichste im Leben ist Wunschträume, die Wirklichkeit werden
„Großer Gott, ich muss mich beeilen, denn es gibt heute sowohl dies als auch jenes zu tun“ Dieser Gedanke stammt von einem nützlichen und leistungsfähigen Mitglied der Gesellschaft. Sie kam aus einer Anzugsfamilie, hatte sich aber schon früh als Hose selbständig gemacht, nur um genau so früh zu festzustellen, dass eine so einseitige Leistung in der heutigen Gesellschaft nicht mehr adäquat ist. Nachdem sie ihren Stolz lange hin und her gebogen hatte, ist sie zu ihre Familie zurückgekehrt und hatte sich als 1-Teiler mit ihrem Bruder, der als Weste tätig war, zusammengetan. Dies ging um einiges besser, aber doch mit einem mulmigen Gefühl, denn sie hatten einen sehr engen Zeitplan einzuhalten und waren immer am regeln, tun, vorbereiten, auswerten, netzwerken, Form halten, umorientieren, treffen, verhandeln oder ausdiskutieren. „Alles bewegt sich, nur nicht von der Stelle“ So ging es ihr, beziehungsweise den Beiden in der kleinen Wir–AG.
Sie hatten nur keine Zeit um sich zu überlegen woran es lag, ganz zu schweigen davon,
was sie dagegen anstellen konnten. Eines Tages kam es aber, das kleine Überraschende.
Und es wuchs sogar aus ihnen heraus.


Weapon against massproduction #2
Von Jacke wie Hose
Am Datum so und so, im Jahr sowieso, kam Hr. Hose zurück von einer Bildungsreise Übersee. Er war der jüngste Sohn der Familie von Jacke–wie–Hose und war absolut unangepasst gewesen. Deswegen hat man ihm seinen gebürtlichen Namen abgesprochen und ihn mit dem anonymen „Hr. Hose“ in die Welt geschickt. Es ging ihm allerdings gar nicht schlecht dabei, er hatte ohnehin die Tasche voll von seiner dünkelhaften Erziehung. Er genoss die Zeit, als Hr. Hose in die Welt unterzutauchen und empfand eine ehrliche Befreiung dabei, nicht der strikten Linien der von Jacke–wie–Hosen unterlegt zu sein. Er konzentrierte sich voll und ganz auf seine Identität: – Hr. Hose. Er ließ seine Ärmel wegfallen und machte sich auf die Suche nach dem Stück Erde, wo er mit beiden Hosenbeinen stehen würde. Er war mit leib und Seele dabei – was man ihm bis heute ansieht – und lief sich die Hälfte der Beine ab. Bis er also, wie schon erwähnt, am richtigen Zeitpunkt zurückkehrte als ein ganz anderer, ausgereifter Hr. Hose.


Weapon against massproduction #5
Gegen alle Regeln der Kunst
Und es geschah in den Tagen eines heißen Sommers, dass eine Hose nach allen Regeln der Massenproduktion auf die Welt kam. Sie war von ihrem Entstehungsmoment an eingespannt. Sie musste sich Marktnachfragen und Zielgruppen anpassen, Quoten und Leistungserwartungen erfüllen und durfte weder zu teuer noch zu günstig weggehen. Bis sie die entsprechende Bildung dafür hatte, dies alles nachvollziehen zu können, war sie allmählich ziemlich schlapp geworden von dem ganzen Gerede. Sie kämpfte mit den Waffen einer Hose volle Kraft gegen den Leistungsdruck, versuchte zu schrumpfen, liess die Fäden hängen und stopfte allerlei Verbotenes in ihre Taschen. Für einen Moment gab sie Ruhe und sie träumte sich zurück in die Zeiten wo die Geschöpfe dieser Welt es nicht so eilig hatten und Hosen immer nur auf die Welt kamen, wenn sie spezifisch nachgefragt wurden.

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This entry was written by Alice Holmberg and published on August 10, 2006 at 10:29 am. It’s filed under Uncategorized. Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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